Leibniz-Bücherwarte: Reminiszenz und Leuchtturm. Ort der Ausschau. Im Steinbruch der Bücher sollen hier nicht Fossilien geborgen, sondern Bücher herausgeschlagen werden, die Freude am Lesen und an Büchern neu wecken soll.

Auf der Leibniz-Büste von Christopher Hewetson im Leibniz-Tempel steht die sinnige Inschrift im Dativ: “Genio Leibnitii” von Christian Gottlob Heyne. Dem Leibniz sind Leibniz-Ufer, Leibniz-Keks und Leibniz-Haus gewidmet. Bei der Straßenbenennung denkt man eher an den Flohmarkt als an den großen Philosophen. Wie schon Hans Mayer so trefflich feststellte, es sei typisch für die hannoversche Mentalität, dass die “Goethestraße zum Steintor” führe.

Mit dem universalen Leibniz-Keks ist untrüglich der große Fabrikant Bahlsen verbunden – sicherlich ein verdienstvoller Bürger und verehrungswürdiger Kunstmäzen Hannovers. So gibt es in der Universität auch einen Bahlsen-Saal, aber kein Leibniz-Auditorium. Die Hannoveraner scheinen sich eher mit einer “Idee Butter” (Ernst Bloch) und Keks zu identifizieren, als sich mit den Gedanken der “Theoria cum Praxi” auseinanderzusetzen.

In dem 1983 kunstvoll rekonstruierten Leibniz-Haus ist heute eine Verwaltungsschule untergebracht. Dabei gibt es ein internationales Zentrum der Leibniz-Forschung und eine integre Leibniz-Gesellschaft, die Kongresse im In- und Ausland und regelmäßig Vorträge veranstaltet.

Genio Leibnitii – wie sehr wünschte man diesem Universalgeist – der Hannover 4o Jahre (1676-1716) lang bis zum letzten Atemzug seinen Genius aufdrückte – eine auch zu Lebzeiten von Hannover nie erfahrene Ehre. Da hat man zwar 5o Jahre nach seinem unbemerkten Tod in der Neustädter Kirche eine Kupferplatte mit der Aufschrift “Ossa Leibnitii” angefertigt. Aber was sind Knochen und Gebeine gegen immer lebendiges Gedankengut, dem doch nun endlich auch von Hannover aus zur Renaissance verholfen werden sollte, über das der Leibniz-Geist so lange waltete.

Die Leibniz-Bücherwarte möchte alle erreichen, die noch offen sind, große Gedanken nach-zu-vollziehen und nach-zu-denken, um danach auch tatwirklich neu zu leben. Ein Anspruch, der weder zu hoch noch zu eng geschraubt sein soll, wie aus bisherigen und zukünftigen Veröffentlichungen ersichtlich werden möge.
 

LEIBNIZ-Bücherwarte
Gabrielle Spaeth
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